15. Januar 2022 - Ausbildungstour Eckerleiten

Der Tag begann bereits um sechs Uhr morgens in der Kletterhalle, wo gemeinsam anhand von Karte und Lawinenlagebericht durchgespielt wurde, was bei der Planung von Wintertouren zu beachten ist. Man ermittelte die Hangsteilheit und legte fest, an welchen Checkpunkten das Lawinenrisiko bewertet werden muss.

Ausgangspunkt war dann die Enzianhütte an der Rossfeldstraße auf gut 1200 m Höhe, wo eingeübt wurde, wie man die Funktionsfähigkeit der Lawinenpiepser vor jeder Tour überprüft. Die Tourengeher fanden pulvrigen Neuschnee auf einer teilweise dürftigen Grundlage vor, aber er reichte durchaus, um das Anlegen einer ökonomischen und sicheren Aufstiegsspur auszuprobieren, und in steilen Passagen gab es genug Gelegenheit, den komplexen Bewegungsablauf einer Spitzkehre zu automatisieren.

Die wichtigste Fertigkeit auf einer Skitour ist aber, das Lawinenrisiko so genau wie möglich einschätzen zu können, und deshalb legte der Ausbilder großen Wert auf das so genannte Lawinenmantra. Das ist ein bewusst schematisierter Entscheidungsprozess, damit man sich nicht selbst etwas vormacht, sondern faktenbasiert entscheidet, ob man weitergehen kann, Vorsichtsmaßnahmen ergreifen oder umkehren muss. An den zwei Checkpunkten mussten die Alpinisten die Hangsteilheit messen, nach Windzeichen Ausschau halten und die Beschaffenheit der Schneedecke einschätzen um dann eben gebetsmühlenartig diesen Entscheidungsprozess durchzusprechen.

Der Kamm oberhalb des Purtschellerhauses auf 1700 Meter Seehöhe wurde zum sonnigen Logenplatz für die Mittagsrast. Dachstein, Osterhorngruppe und Salzburg waren auszumachen und am Horizont schaute sogar der Höhenzug des bayerischen Waldes aus der Nebelsuppe in den Niederungen heraus.

An einigen Stellen der Abfahrt ließ es sich genussvoll schwingen und dann wieder musste man die Richtungsänderungen eher bedächtig ausführen, um die Vegetation und den Skibelag zu schonen. Zeit ließ man sich dann noch einmal, um die Handhabung von LVS-Gerät, Lawinensonde und Schaufel einzuüben. Bei einer Sondierübung galt es zu erspüren, wie sich zum Beispiel ein Rucksack, ein Skischuh oder ein menschlicher Körper anfühlen. Und es wurde natürlich ein komplettes Verschüttungsszenario durchgespielt, um einzuüben, wie die so genannte Kameradenbergung zu organisieren und durchzuführen ist.

Zufrieden fuhren die Simbacher mit der Erkenntnis nach Hause, dass echte Skitouren im freien Gelände eine herrliche Spielart des Alpinismus sind, bei der aber auch eine gewisse Ernsthaftigkeit und ein realistisches Gefahrenbewusstsein nicht fehlen dürfen.

Stephan Haslinger

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